Bauordnung
für Bahnanlagen und Fahrzeuge der Schmalspurbahnen
des allgemeinen Verkehrs
(abgekürzte Bezeichnung BS)

Inhaltsverzeichnis


I. Allgemeines
§  1. Geltungsbereich

Diese Bauordnung gilt für Schmalspurbahnen des allgemeinen Vekehrs.
Für diese Bahnen beträgt das Grundmaß der Spurweite 1,0 m oder 0,75 m.
Die in der vollen Breite einer Seite gedruckten Bestimmungen dieser Ordnung gelten für beide Spurweiten,

die auf der linken Hälfte
einer Seite nur für
1,0 m Spurweite.
  die auf der rechten Hälfte
einer Seite nur für
0,75 m Spurweite.
Für vorhandene Schmalspurbahnen des allgemeinen Verkehrs mit anderen als den angegebenen Grundmaßen der Spurweite kann die Aufsichtsbehörde*), soweit erforderlich, andere Maße vorschreiben, als nachstehend angegeben sind.

*) Siehe § 4 der BO, deren Abschnitte I und IV bis VI auch für Schmalspurbahnen des allgemeinen Verkehrs Gültigkeit haben.


II. Bahnanlagen

§ 2 (§ 6) Begriffserklärungen

(1) Zu den Bahnanlagen gehören alle zum Bau und Betriebe einer Bahn erforderlichen Anlagen mit Ausnahme der Fahrzeuge. Unterschieden werden die Bahnanlagen der freien Strecke, der Bahnhöfe und sonstige Bahnanlagen.

(2) Auf der freien Strecke und auf den Bahnhöfen sind zur unmittelbaren Regelung und Sicherung des Zug- und Rangierbetriebes Betriebsstellen vorhanden.

(3) Bahnhöfe sind Bahnanlagen mit mindestens einer Weiche, wo Züge beginnen, enden kreuzen, überholen oder mit Gleiswechsel wenden dürfen.

Bemerkung: Unter "kreuzen" wid das Ausweichen zweier in entgegengesetzter Richtung fahrender Züge bei eingleisigem Betriebe verstanden, im Unterschiede von der Begegnung zweier Züge auf zweigleisiger Bahn.

(4) Abzweigstellen sind Bahnanlagen der freien Strecke, wo Züge ein Gleis der freien Strecke unter Freigabe desselben für einen anderen Zug verlassen oder in ein solches Gleis einfahren können.

(5) Anschlußstellen sind Bahnanlagen der freien Strecke, wo Züge ein an das Streckengleis angeschlossenes Gleis bedienen können, ohne daß das Streckengleis für einen anderen Zug freigegeben wird.

(6) Haltepunkte sind Bahnanlagen der freien Strecke ohne Weichen, wo Züge für Zwecke des Verkehrs planmäßig halten.
Bemerkung: Ein Haltepunkt kann mit einer Abzweigstelle oder einer Aschlußstelle örtlich verbunden sein. Dient die Gesamtanlage dem öffentlichen Verkehr, so wird sie als Haltestelle bezeichnet.

(7) Deckungsstellen sind Bahnanlagen der freien Strecke zur Deckung einer beweglichen Brücke, einer Kreuzung von Bahnen einer Gleisverschlingung, einer Baustelle usw.

(8) Zugfolgestellen sind alle Bahnanlagen, die einen Streckenabschnitt (Blockstrecke) begrenzen, in den ein Zug nicht einfahren darf, bevor ihn der vorausgefahrene Zug Verlassen hat.

(9) Blockstellen sind diejenigen Zugfolgestellen der freien Strecke, die keine Abzweigstellen sind. Eine Blockstelle kann zugleich als Anschlußstelle (5) oder als Haltepunkt (6) oder als Deckungsstelle (7) eingerichtet sein.

(10) Zugmeldestellen sind diejenigen Zugfolgestellen, durch welche die Reihenfolge der Züge auf der freien Strecke bestimmt wird. Bahnhöfe und Abzweigstellen sind stets Zugmeldestellen, andere Zugfolgestellen kann die Aufsichtsbehörde zu Zugmeldestellen erklären.

(11) Hauptgleise sind die Gleise, die von Zügen (§ 54 (1) der BO) im regelmäßigen Betriebe befahren werden, mit Ausnahme der nur von einzeln fahrenden Lokomotiven benutzten Gleise. Die Hauptgleise der freien Strecke und ihre Fortsetzung durch die Bahnhöfe sind durchgehende Hauptgleise. Alle nicht zu den Hauptgleisen zählenden Gleise sind Nebengleise.


§ 3 (§ 7) Richtungs- und Neigungsverhältnisse bei Neubauten

(1) Der Halbmesser der Krümmungen (auf der freien Strecke und in Bahnhöfen) sowie der Halbmesser der Weichenkrümmungen darf nicht kleiner als

50 m   40 m
sein. Kleinere Halbmesser sind nur zulässig, wenn die Fahrzeuge so gebaut sind, daß sie Krümmungen mit dem kleineren Halbmesser anstandslos durchfahren können und die in Frage kommenden Srecken für andere Fahrzeuge gesperrt sind.

(2) Bei Neubauten und nach Möglichkeit auch bei Gleiserneuerungen sollen in den durchgehenden Hauptgleisen zwischen geraden und gekrümmten Strecken und zwischen aneinanderstoßenden, in gleichem Sinne gekrümmten Bogen mit verschiedenen, stark voneinander abweichenden Halbmessern Übergangsbogen eingelegt werden. Die Aufsichtsbehörde kann bei Gleiserneuerungen Ausnahmen zulassen.

(3) Die Längsneigung auf freier Strecke darf 40 Promille (1:25) nicht überschreiten. Ausnahmen sind nur mit Genehmigung des Reichsverkehrsministers zulässig.

(4) Das Neigungsverhältnis von Bahnhofgleisen darf, abgesehen von Rangiergleisen, nicht mehr als 2,5 Promille (1:400) betragen. Das gleiche gilt für alle Gleise, auf denen Wagen ohne angekuppelte Lokomotive stehen bleiben sollen. Ausweichgleise dürfen in die stärkere Neigung der freien Strecke eingreifen. Ausnahmen können von der Aufsichtsbehörde zugelassen werden.


§ 4 (§ 9) Spurweite

(1) Die Spurweite ist das lichte Maß zwischen den Schienenköpfen, 10 mm unter der Schienenoberkante und senkrecht zur Gleisachse gemessen.

(2) In Krümmungen muß so viel Spurerweiterung und Raum für den Spurkranz gegeben werden, wie es die Bauart der Fahrzeuge erfordert.

(3) Als Folge des Betriebs sind Verengerungen der vorgeschriebenen Spurweiten bis zu 5 mm, Erweiterungen bis zu 10 mm zulässig, niemals aber darf das Maß von

1,025 m   0,770 m
überschritten werden.

§ 5 (§ 10) Gleislage

(1) Die winkelrecht gegenüberliegenden Punkte der Schienenoberkanten müssen in geraden Strecken, mit Ausnahme der Überhöhungsrampen (2), gleich hoch liegen.

(2) Die Überhöhung des äußeren Stranges gekrümmter Gleise muß auf eine möglichst große Länge, mindestens auf das 300fache ihres Betrags auslaufen.

(3) Neigungswechsel in durchgehenden Hauptgleisen sind nach einem Kreisbogen von mindestens 1000 m auszurunden. Die Aufsichtsbehörde kann ausnahmsweise für bestehende Anlagen, ferner auch, wenn die durchgehenden Hauptgleise nicht auf eigenem Bahnkörper liegen, für Neubauten Ausrundungshalbmesser bis 500 m zulassen. Bei Neubauten muß in durchgehenden Hauptgleisen der Halbmesser mindestens 2000 m betragen, wenn der Neigungswechsel in einem Bogen liegt oder wenn die Strecke mit mehr als 40 km/h befahren werden soll. Der Neigungswechsel soll nicht in den Bogen, sondern möglichst in die Gerade gelegt werden.


§ 6 (§ 11) Umgrenzung des lichten Raumes für Neubauten und umfassendere Umbauten

(1) Auf geraden Strecken muß mindestens ein lichter Raum nach der in der Anlage A mit ausgezogenen Linien gezeichneten Umgrenzung freigehalten werden.
In Krümmungen sind die Breitenmaße entsprechend dem Bogenhalbmesser zu vergrößern. Das Maß der Vergrößerungen ist aus nachfolgender Tafel zu entnehmen und darf keinesfalls unterschritten werden.

Bogenhalbmesser
m
Bogeninnenseite
mm
Bogenaußenseite
mm
>= 5 000 20
2 000 25
500 25
400 30
250 30
225 35
200 35
180 35
150 40
120 60 45
100 80 55
80 105 75
60 150 105
50 185 135
40 240 175
Bei Spurerweiterungen sind die Breitenmaße der Umgrenzung des lichten Raumes von der Mitte des Schienenabstandes aus zu messen. In Bogen und in Überhöhungsrampen ist auf die durch die Überhöhung geänderte Lage der Umgrenzung Rücklicht zu nehmen.

(2) Sofern auf den Strecken Fahrzeuge verkehren oder Ladungen befördert werden, welche die nach § 21 (1) für Fahrzeuge zugelassene Begrenzung überschreiten, ist der lichte Raum so groß zu bemessen, daß auch bei ungünstigster Stellung des Fahrzeuges sowohl auf der geraden Strecke als auch in Krümmungen in einer Höhe bis 1 m über Schienenoberkante ein Abstand von mindestens 75 mm, in weiterer Höhe ein Abstand von mindestens 200 mm überall verbleibt. Vgl. auch § 23 (1).

(3) Außerhalb des nach (1) und (2) erforderlichen lichten Raumes sind noch seitliche, in Anlage A mit gestrichelten Linien angegebene Räume freizuhalten.

(4) Auf elektrischen Bahnen mit Oberleitung muß außer dem nach (1) und (2) freizuhaltenden lichten Raum ein lichter Raum für den Durchgang der Stromabnehmer vorhanden sein; in diesem Raum dürfen die Fahrleitungen und nichtgeerdete Bauteile der Fahrleitungen hineinragen.
Oberhalb dieses lichten Raumes muß ein Raum für die Unterbringung der Bauteile der Fahrdrahtaufhängung freigehalten werden, wo er erforderlich ist, und dort, wo nicht Sonderbauarten der Fahrdrahtaufhängung mit Unterbrechung des Tragseiles möglich sind.

(5) Für Gleise von untergeordneter Bedeutung kann die Aufsichtsbehörde Flachrillenkreuzungen zulassen.


§ 7 (§ 12) Gleisabstände bei Neubauten und umfassenderen Umbauten

(1) Der Mittenabstand von Gleisen gleicher Spurweite muß in der Geraden betragen:

a) auf der freien Strecke und bei Umladegleisen mindestens
3,10 m   2,90 m
b) auf Bahnhöfen, abgesehen von Umladegleisen mindestens
4,00 m   esd3,80 m
In Krümmungen sind die Gleisabstände entsprechend dem Bogenhalbmesser zu vergrößern. Das Maß der Vergrößerung ist aus nachfolgender Tafel zu entnehmen und darf keinesfalls unterschritten werden.
Bogenhalbmesser
m
Vergrößerung
mm
>= 5 000 40
2 000 50
500 50
400 60
250 60
225 70
200 70
180 70
150 80
120 105
100 135
80 180
60 255
50 320
40 415

 (2) Der Mittenabstand zwischen einem Schmalspur- und einem Vollspurgleis muß in der
Geraden betragen:
   a) bei Umladegleisen mindestens

3,31 mm   3,45 mm

  3,31 mm   |  3,45 m
   b) auf freier Strecke
  3,55 m   |  3,45 m
   c) auf Bahnhöfen, abgesehen von Umladegleisen, mindestens
  4,25 m   |  4,15 m
In Krümmungen sind die Gleisabstände entsprechend dem Bogenhalbmesser zu vergrößern.

(3) Sofern auf Schmalspurgleisen Fahrzeuge verkehren oder Ladungen befördert werden, welche nach § 21 (1) für Fahrzeuge zugelassene Begrenzungen überschreiten, ist der Gleisabstand sozu bemessen, daß zwischen den Fahrzeugen oder Ladungen auch bei ungünstigster Stellung der Fahrzeuge sowohl in der Geraden als auch in Krümmungen ein freier Raum von mindestens
   a) 300 mm Breite auf der freien Strecke und bei Umladegleisen
   b) 1300 mm Breite auf Bahnhöfen, abgesehen von Umladegleisen,
verbleibt.

(4) Die Vorschriften unter (1) bis (3) sind auch bei dreischienigen Gleisen zu beachten.

(5) Für den Betrieb mit Rollfahrzeugen kann die Aufsichtsbehörde abweichende Bestimmungen treffen.


§ 8 (§ 13) Kreuzungen von Bahnen

(1) Kreuzungen von den dem allgemeinen Verkehr dienenden Bahnen miteinander dürfen in Schienenhöhe außerhalb der Einfahrsignale der Bahnhöfe oder der Deckungssignale der Abzweigstellen nicht angelegt werden. Kreuzungen solcher Bahnen innerhalb der Deckungssignale der Abzweigstellen dürfen nur mit Genehmigung des Reichsverkehrsministers angelegt werden.

(2) Die Kreuzung in Schienenhöhe zwischen einer dem allgemeinen Verkehr dienenden Bahn und einer dieser Ordnung nicht unterstellten Bahn kann der Reichsverkehrsminister auch außerhalb der Einfahsignale der Bahnhöfe zulassen.

(3) Vorübergehend anzulegende Kreuzungen nach (1) und (2) kann die Aufsichtsbehörde zulassen.


§ 9 (§ 14) Entfernung der Zugfolgestellen und Kreuzungsbahnhöfe sowie Länge der Kreuzungsgleise

Inwieweit hinsichtlich des Abstandes der Zugfolgestellen und Kreuzungsbahnhöfe sowie der Länge der Kreuzungsgleise besondere Anforderungen zu stellen sind, bestimmt der Reichsverkehrsminister.


§ 10 (§ 15) Wasserstationen und Wasserkrane

(1) Wasserstationen sind in solchen Abständen und von solcher Leistungsfähigkeit anzulegen, daß der von dem Reichsverkehrsminister festzustellende Bedarf an Speisewasser jederzeit reichlich gedeckt werden kann.

(2) Die Ausflußöffnungen neuer Wasserkrane müssen mindestens 2,85 m über Schienenoberkante liegen.

(3) Wasserkrane mit drehbaren Auslegern müssen mit Signalen versehen sein, die die
Querstellung der Ausleger bei Dunkelheit anzeigen.
Die Aufsichtsbehörde kann Ausnahmen zulassen.


§ 11 (§ 16) Tragfähigkeit des Oberbaues und der Brücken

Die Tragfähigkeit des Oberbaues und der Brücken einer Strecke muß den größten auf dieser Strecke vorkommenden Verkehrslasten und Fahrgeschwindigkeiten entsprechen.
Der Reichverkehrsminister kann bei Neubauten und Gleiserneuerungen bestimmen, ob Strecken für eine größere Tragfähigkeit bemessen werden müssen.


§ 12 (§ 17) Abteilungszeichen, Neigungszeiger

(1) Die Bahn ist in Abschnitten von 1000 m mit Abteilungszeichen zu versehen. Die Aufsichtsbehörde kann Ausnahmen zulassen.

(2) Das Verhältnis der Neigungen ist an den Enden der Strecken, wo die Verbindungslinie zweier 500 m voneinander entfernter Punkte der Bahn stärker als 10 Promille (1:100) geneigt ist, ersichtlich zu machen.
Die Aufsichtsbehörde kann Ausnahmen zulassen.


§ 13 (§ 18) Einfriedigngen, Wegeübergänge, Schranken, Warnkreuze

(1) Ob und in welchem Umfang an Wegen Schutzwehren anzulegen sind, bestimmt die Aufsichtsbehörde.

(2) Verkehrsreiche Wegübergänge sind mit Schranken zu versehen oder in anderer Weise zu sichern. Bei übersichtlichen Wegübergängen ist dies nicht erforderlich, wenn dort die Eisenbahnfahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von höchstens 15 km/h fahren. Auch in anderen Fällen kann die Aufsichtsbehörde beim Vorliegen besonderer Verhältnisse Ausnahmen zulassen.
Bestehen Zweifel darüber, ob ein Wegübergang verkehrsreich, oder ob ein Wegübergang übersichtlich ist, oder ob die Zulassung einer Ausnahme gerechtfertigt ist, so entscheidet die Aufsichtsbehörde im Benehmen mit der Landespolizeibehörde; kommt hierbei keine Einigung zustande, so entscheidet der Reichsverkehrsminister.
Das gleiche gilt, wenn Zweifel darüber bestehen, ob ausnahmsweise ein verkehrsarmer Wegübergang mit einer Schranke oder einer sonstigen Sicherung zu versehen ist.
Welche Vorrichtungen zur Sicherung eines Wegüberganges als ausreichend anzusehen sind, bestimmt der Reichsverkehrsminister.
Die Schranken müssen bei jeder Stellung mindestens 0,5 m von der Umgrenzung des lichten Raumes abstehen.
Schienengleiche Übergänge, die ausschließlich dem Verkehr innerhalb der Bahnhöfe dienen, gelten nicht als Wegübergänge.

(3) Schranken müssen vom Standorte des bedienenden Wärters aus übersehen werden können.
Ausnahmen kann die Aufsichtsbehörde zulassen.

(4) Fernbedienende Schranken müssen an Ort und Stelle von Hand angehoben und alsdann wieder geschlossen werden können; sie müssen mit einer Läutevorrichtung versehen sein, die vom Standorte des Wärters aus bedient werden kann, und außerdem eine Vorrichtung besitzen, die dem Wärter jedes örtliche Öffnen der Schranken bemerkbar macht.

(5) Die Wegübergänge müssen mit Warnkreuzen versehen sein. Diese sind an allen unmittelbar am Übergang einmündenden Wegen da aufzustellen, wo Fuhrwerke einschließlich Kraftfahrzeuge und Tiere angehalten werden müssen (§ 79 (4) der BO), wenn die Schranken geschlossen sind oder ein Zug sich nähert.
Bei Wegübergängen mit geringfügigem Verkehr kann von der Aufstellung von Warnkreuzen abgesehen werden.

(6) Vor Wegübergängen, die nicht durch Schranken oder andere Vorrichtungen (2) gesichert werden, sind Kennzeichen für die Lokomotivführer anzubringen (§ 58 (2) der BO). Bei einfachen Verhältnissen kann die Aufsichtsbehörde Ausnahmen zulassen.


§ 14 (§ 19) Telegraph, Fernsprecher, Läutewerk

(1) Die Zugfolgestellen der Strecken, die mit mehr als 40 km/h befahren werden, sind durch Telegraph, die Zugfolgestellen der sonstigen Strecken durch Telegraph oder Fernsprecher zu verbinden.
Ausnahmen können von der Aufsichtsbehörde zugelassen werden.

(2) Auf Linien mit Streckenblockeinrichtungen dürfen in den Blockstellen statt Telegraphen Fernsprecher verwendet werden.

(3) Bahnstrecken, die mit mehr 40 km/h befahren werden, sind mit Läutewerken oder anderen Vorrichtungen zu versehen, wodurch die Schrankenwärter von dem Abgange der Züge benachrichtigt werden können.
Die Aufsichtsbehörde kann Ausnahmen zulassen.


§ 15 (§ 20) Drehscheiben, Schiebebühnen

Schiebebühnen mit versenkten Gleisen und Drehscheiben sind in Hauptgleisen nur an stumpfen Enden zulässig.


§ 16 (§21) Signale und Signalsicherung

(1) Die Form der Signale muß, soweit es sich um Signale der Eisenbahn-Signalordnung handelt, deren Vorschriften entsprechen. Zur Erteilung von Signalen, die in der Signalordnung nicht vorgesehen sind, dürfen die Formen der Signalordnung nicht benutzt werden.

(2) Die Kreuzungsbahnhöfe von Bahnstrecken, die mit einer Geschwindigkeit von mehr als 40 km/h befahren werden, sind mit Einfahrtsignalen zu versehen. Ausnahmen kann der Reichsverkehrsminister zulassen.
Inwieweit die Kreuzungsbahnhöfe von Strecken, die mit einer Geschwindigkeit von höchstens 40 km/h befahren werden, mit Einfahrtsignalen zu versehen sind, bestimmt der Reichsverkehrsminister.

(3) Bewegliche Brücken sind örtlich durch Signale zu decken, und mit ihnen derart in Abhängigkeit zu bringen, daß das Signal erst auf Fahrt gestellt werden kann, wenn die Brücke geschlossen und verriegelt ist, und daß die Brücke nicht entriegelt werden kann, solange das Signal auf Fahrt steht.

(4) Die in Schienenhöhe gelegenen Kreuzungen der dieser Ordnung unterstellten Bahnen sind durch Hauptsignale zu decken, die in gegenseitiger Abhängigkeit stehen (vgl. § 8). Über die Sicherung der Kreuzung einer solchen Bahn mit einer dieser Ordnung nicht unterstellten Bahn hat die zulassende Behörde (§ 8) Bestimmung zu treffen.

(5) Hauptsignale sind womöglich auf der rechten Seite oder über der Mitte, Vorsignale stets auf der rechten Seite der zugehörigen Gleise aufzustellen. Die Signale benachbarter Gleise sind so aufzustellen, daß sie von den Zügen aus nicht miteinander verwechselt werden können.

(6) Die Einfahrweichen müssen mit Weichensignalen versehen sein, wenn sie nicht mit den Fahrsignalen in gegenseitiger Abhängigkeit stehen oder für gewöhnlich verschlossen gehalten werden. Ausnahmen kann die Aufsichtsbehörde zulassen.

(7) Zwischen zusammenlaufenden Gleisen muß ein Merkzeichen angebracht sein, das angibt, bis wohin ein Gleis besetzt werden kann, ohne daß die Bewegungen auf dem anderen gefährdet werden.


§ 17 (§ 23) Bahnsteige

Die festen Gegenstände auf den Personenbahnsteigen (Säulen o. dgl.) müssen bis zu einer Höhe von 2,8 m über Schienenoberkante mindestens 2,20 m von Gleismitte entfernt sein.


§ 18 (§ 24) Rampen

Inwieweit bei Neubauten angelegt werden müssen, bestimmt der Reichsverkehrsminister.


§ 19 (§ 26) Namen von Bahnhöfen und Haltepunkten

Auf den dem Personenverkehr dienenden Bahnhöfen und Haltepunkten ist der Name in einer den Reisenden ins Auge fallenden Weise anzubringen.


III. Fahrzeuge

§ 20 (§ 27) Beschaffenheit der Fahrzeuge

Die Fahrzeuge müssen so gebaut und unterhalten werden, daß sie mit der größten für sie zugelassenen Geschwindigkeit ohne Gefahr bewegt werden können.


§ 21 (§ 28) Begrenzung neuer Fahrzeuge

(1) Alle Teile der Fahrzeuge dürfen höchstens die in der Anlage B mit ausgezogenen Linien gezeichnete Begrenzung bei Fahrzeugmittelstellung im geraden Gleise erreichen. Die Stromabnehmer elektrischer Fahrzeuge dürfen die Begrenzung überschreiten, müssen sich dann aber auf die Begrenzung einziehen oder durch Abnehmen herausragender Teile zurückführen lassen.
Der Bau größerer Fahrzeuge bedarf der Genehmigung des Reichsverkehrsministers.
Sofern die Strecken, auf denen die Fahrzeuge verkehren sollen, den lichten Raum nach § 6 (1) nicht ausweisen, sind die Fahrzeuge entsprechend kleiner zu bauen.

(2) Die oberen Teile aller Lokomotiven außer elektrischen Lokomotiven müssen sich so weit abnehmen lassen, daß die auf Anlage B strichpunktiert gezeichnete Begrenzungslinie nicht überschritten wird.
Güterwagen, die auf vollspurige Wagen verladbar sein sollen, dürfen die auf Anlage B strichpunktiert gezeichnete Begrenzungslinie nicht
überschreiten. Die verladbaren Güterwagen müssen gekennzeichnet sein (vgl. § 32 (1) m).
Der Reichsverkehrsminister kann für jedes Bahnnetz die Zahl der Güterwagen bestimmen, die auf vollspurige Wagen verladbar sein müssen.
   

(3) Fahrzeuge, die nach Anlage B gebaut sind, deren Achsstände bzw. Drehzapfenabstände, Überhänge oder Querverschiebungen (bei Drehgestellwagen einschließlich Wiegenspiel) aber ungünstigere Verhältnisse ausweisen als die Tabellen und Bemerkungen in § 23 (6) angeben,
müssen in ihren Breitenmaßen so weit eingeschränkt werden, daß bei ungünstigster Stellung der Fahrzeuge in einer Höhe bis 1 m über Schienenoberkante ein Abstand von mindestens 75 mm, in größerer Höhe ein Abstand von mindestens 200 mm zwischen Fahrzeug und dem
lichten Raum nach § 6 (1) verbleibt.

(4) Nach außen aufschlagende Einsteigetüren in den Langwänden von Trieb-, Personen- Post- und Packwagen dürfen bei Mittelstellung der Fahrzeuge im geraden Gleise in keiner Stellung der Tür die Umgrenzung des lichten Raumes überschreiten.

(5) Unter die 100 mm über Schienenoberkante liegenden Begrenzungslinien (vgl. die Anlage B) dürfen bis 65 mm über Schienenoberkante reichen:
   a) bei allen Fahrzeugen die Kupplungen und Sicherheitsketten [vgl. § 25 (5)],
   b) bei Lokomotiven und Triebwagen außerdem die dem Federspiele nicht folgenden Teile.

(6) Durch die Radreifen gedeckte Teile, wie Bahnräumer, Bremsklötze, Sandstreuer, müssen noch 55 mm von Schienenoberkante abstehen; soweit sie bei Wagen sich an den Außenseiten der Endachsen befinden, müssen sie mindestens 150 mm von Schienenoberkante abstehen (vgl. § 52a der BO).



§ 22 (§ 29) Achsdruck neuer Fahrzeuge

Der Achsdruck stillstehender Fahrzeuge darf bei der größten Belastung nicht mehr betragen als

12 t   10 t
Fahrzeuge mit größerem Achsdruck dürfen nur mit Genehmigung des Reichsverkehrsministers
gebaut werden.



§ 23 (§ 30) Achsstand, Einstellbarkeit und Verschiebbarkeit der Achsen sowie Überhänge neuer Fahrzeuge

(1) Der feste Achsstand muß, abgesehen von Drehgestellen, mindestens 2000 mm betragen.
Falls vorhandene Fahrzeuge einen geringeren Achsstand besitzen, muß die Umgrenzung des lichten Raumes nach Anlage A nötigenfalls entsprechend vergrößert werden.

(2) Für größere Achsstände als 2000 mm sind Maßnahmen zu treffen, die ein zwangloses Durchfahren von Krümmungen mit

50 m   40 m
Halbmesser gestatten.

(3) Sind bei Fahrzeugen und Drehgestellen mehr als zwei Achsen in einem gemeinsamen Rahmen gelagert und beträgt der Achsstand mehr als 2000 mm, so müssen die mit Spurkränzen versehenen Zwischenachsen quer zur Wagenlängsachse verschiebbar sein, derart, daß Krümmungen mit einem Halbmesser von

50 m   40 m
anstandslos durchfahren werden können.

(4) Spurkranzlose Achsen dürfen nicht quer verschiebbar sein.

(5) Die Längen der Wagen, über die Puffer gemessen, müssen so bemessen werden, daß bei einem Greifbereich der ungesteuerten und der gesteuerten Mittelpufferkupplungen von 150 mm die Fahrzeuge an der Übergangsstelle einer Krümmung von 100 m Halbmesser mit anschließender Geraden gekuppelt werden können.

(6) Zulässige Übergänge und größte Wagenlängen für ungesteuerte Mittelpufferkupplungen:

  A Bei Wagen ohne Drehgestelle

Achstand Größter
in mm
Größter
Überhang
Größte
Wagenlänge
Achsstand
in mm
Größter
Überhang
Größte
Wagenlänge
für 1,0 m Spurweite für 0,75 m Spurweite
2 000 1 945 5 890 2 000 1 870 5 740
2 500 2 110 6 720 2 500 2 045 6 590
3 000 2 150 7 300 3 000 2 210 7 420
3 500 2 200 7 900 3 500 2 250 8 000
4 000 2 220 8 440 4 000 2 260 8 520
4 500 2 220 8 940 4 500 2 260 9 020
5 000 2 200 9 400 5 000 2 220 9 440
5 500 2 180 9 860 5 500 2 200 9 900
6 000 2 130 10 260 6 000 2 100 10 300
6 500 2 080 10 660 6 500 2 100 10 700
7 000 2 040 11 080 7 000 2 060 11 120
7 500 1 980 11 460 7 500 2 000 11 500
8 000 1 930 11 860  
8 500 1 890 12 280
9 000 1 830 12 660

  B Bei Drehgestellwagen

Drehzapfenabstand 
in mm
Größter
Überhang
Größte Wagenlänge Größter
Überhang
Größte Wagenlänge
1,0 m Spurweite 0,75 m Spurweite
6 000 1 970 9 940 2 000 10 000
6 500 1 930 10 360 1 960 10420
7 000 1 895 10 790 1 915 10 830
7 500 1 855 11 210 1 870 11 240
8 000 1 810 11 620 1 825 11 630
8 500 1 765 12 030 1 780 12 060
9 000 1 720 12 440 1 735 12 470
Bemerkungen:
Für die Berechnung der Werte unter A (Wagen ohne Drehgestelle) ist bei größter Abnutzung eine mögliche Querverschiebung der Endachsen zwischen Lagerschale und Achsschenkel, zusätzlich derjenigen zwischen Achshalter und Achslagergehäuse, aus der Mittellage heraus nach jeder Seite von insgesamt 15 mm zugrunde gelegt worden. Das entsprechende Maß der Querverschiebung einschließlich Wiegenspiel für die Drehzapfen der Drehgestellwagen unter B ist 21 mm.


(7) Werden gesteuerte Mittelpufferkupplungen verwendet oder größere Drehzapfenabstände gewählt, so sind größere Wagenlängen zulässig [vgl. jedoch § 21 (1) vorletzter Absatz und (3)]. Der Ausschlag des Mittelpuffers über Gleismitte des Bogens von

50 m   40 m
darf aber 244 mm nicht überschreiten.

§ 24 (§§ 31 und 32) Radsätze
(1) Neue Achswellen müssen aus Flußstahl oder aus einem mindestens gleichwertigen Baustoff bestehen.

(2) Die Räder müssen so auf die Achswellen ausgepreßt sein, daß sie unverrückbar festsitzen.

(3) Die Räder müssen Spurkränze haben. Sind aber drei oder mehr Achsen in demselben Rahmen gelagert, so können die Spurkränze unverschiebbarer Zwischenachsen weggelassen oder dünner gedreht werden, wenn die Räder bei Krümmungshalbmessern von

50 m   40 m
und bei Bahnen mit kleineren Krümmungshalbmessern auch bei diesen eine genügende Auflage auf den Schienen haben.

(4) An den Rädern müssen in abgenutztem Zustande folgebnde Maße eingehalten werden:
   a) Dicke der Radreifen, in der Ebene des Laufkreises gemessen,
      mindestens        17 mm
   b) Höhe des Spurkranzes über dem Laufkreises höchstens   28 mm
   c) Dicke des Spurkranzes, 10 mm außerhalb des Laufkreises gemessen,
      mindestens        19 mm
Diese Bestimmung gilt nicht für Zwischenachsen [vgl. (3)].

(5) Die Achswellen, Räder und Radsätze neuer Wagen müssen die auf den Anlagen

C   D
angegebenen Abmessungen haben.

(6) Bei den Achslagergehäusen der Wagen müssen die in Anlage E angegebenen Maße eingehalten
werden.


§ 25 (§ 33) Zug- und Stoßvorrichtungen

(1) Die Endfelder der Untergestelle  n e u e r  Fahrzeuge sind nach Anlage F auszuführen.

(2) Die zum Kuppeln von Fahrzeugen mit verschiedenartigen Zugvorrichtungen vorgesehenen Zughakenböcke können entfallen, wenn die Lage der Zughaken vorhandener Kupplungen das Kuppeln der Fahrzeuge in gleicher Weise gestattet wie ein Zughaken, der an einem nach Anlage F angeordneten Zughakenbock befestigt ist.

(3) Änderungen der Bauart der bisher verwendeten Zug- und Stoßvorrichtungen bedürfen der Genehmigung des Reichsverkehrsministers.

(4) Die Höhe der Mittellinie der Puffer über Schienenoberkante darf bei stillstehendem
Fahrzeug nicht größer sein als:

750 mm   600 mm;
sie muß bei größter Belastung des Fahrzeuges und auch nach Abnutzung der den Pufferstand
beeinflussenden Teile mindestens
650 mm   500 mm
betragen.

(5) Kupplungen müssen so eingeschraubt oder aufgehängt werden können, daß kein Teil tiefer als 65 mm über Schienenoberkante herabhängt [vgl. § 21 (5)].

(6) Pufferscheiben müssen so bemessen sein, daß die Puffer beim Durchfahren von Krümmungen mit

50 m   40 m
Halbmesser nicht hintereinandner greifen können.

§ 26 (§ 35) Freie Räume und vorspringende Teile an den Stirnseiten neuer Fahrzeuge

(1) Die vorspringenden Teile an den Stirnseiten der Fahrzeuge müssen so angeordnet sein, daß die auf Anlage G dargestellten freien Räume vorhanden sind.

(2) Außerhalb dieser freizuhaltenden Räume müssen alle Teile des Fahrzeuges von der Stoßebene der ganz eingedrückten Puffer mindestens 40 mm zurückbleiben.


§ 27 (§ 35) Bremsen

(1) Handbremsen müssen so eingerichtet sein, daß beim Drehen der Kurbel im Sinne der Uhrzeigerrichtung die Bremsen angezogen werden.

(2) Lokomotiven ohne Tender, Tender und Triebwagen müssen mit einer Handbremse versehen sein. Die Handbremse muß von jedem Führerstand aus bedient werden können.

(3) Die durchgehende Bremse eines Zuges muß so eingerichtet sein, daß diese Bremse selbsttätig wirkt, sobald die Bremsleitung unterbrochen wird, und daß sie vom Führerstand der Lokomotive und des Triebswagens, von den Personenwagen, von den Postwagen und Packwagen sowie von den Güterwagen mit Handbremse aus betätigt werden kann.

(4) Mindestens 25 vom Hundert der Personenwagen und Güterwagen müssen Handbremse haben.
Personenwagen ohne durchgehende Bremse müssen eine Handbremse haben.

(5) Personenwagen, die in Zügen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 40 km/h laufen sollen, müssen eine durchgehende Bremse haben.

(6) Neue Fahrzeuge müssen so eingerichtet sein, daß Bremsklötze nach Anlage H verwendet
werden können.


§ 28 (§ 36) Ausrüstung der Lokomotiven, Tender und Triebwagen

(1) Dampfkessel müssen folgende Ausrüstung erhalten:
   a) Zwei voneinander unabhängige Speisevorrichtungen, von denen jede für sich imstande ist, dem Kessel die erforderliche Wassermenge zuzuführen. Mindestens eine Vorrichtung muß auch beim Stillstande des Fahrzeuges arbeiten können;
   b) an der Einmündung jeder Speiseleitung in den Kessel ein Speiseventil, das den Wasser- oder Dampfabfluß aus dem Kessel selbständig verhindert. Die Speiseventile müssen auch von Hande geschlossen werden können, oder es muß zwischen Kessel und selbsttätigem Speiseventil eine besondere, von Hand zu betätigende Absperrvorrichtung eingeschaltet werden;
   c) wenigstens zwei voneinander unabhängige Vorrichtungen zum zuverlässigen Erkennen des Wasserstandes. Mindestens eine dieser Vorrichtungen muß ein Wasserstandsglas sein;
d) am Wasserstandsglas und an der Kesselwand Marken für den festgesetzten niedrigsten Wasserstand, die mindestens 100 mm über dem höchsten wasserbenetzten Punkt der Feuerbüchse liegen;
   e) zwei Sicherheitsventile, die so eingerichtet sein müssen, daß ihre Belastung nicht ohne Lösen des Bleisiegelverschlusses oder Verändern der Kontrollhülse über das bestimmte Maß hinaus gesteigert werden kann. Die Sicherheitsventile müssen so ausgestaltet sein, daß sie vom strömenden Dampf nicht fortgeschleudert werden können, wenn eine unbeabsichtigte Entlastung eintritt;
   f) einen Kesseldruckmesser, der den Dampfdruck des Kessels fortwährend anzeigt und auf dessen Zifferblatt der festgesetzte höchste Dampfüberdruck durch eine unverstellbare, in die Augen fallende Marke bezeichnet ist;
   g) eine Einrichtung zum Anschließen eines Prüfungsdruckmessers;
   h) ein Fabrikschild aus Metall, auf dem der jeweils festgesetzte nächste Dampfüberdruck, der Name des Herstellers, die Fabriknummer und das Jahr der Anfertigung angegeben sind und das so am Kessel befestigt ist, daß es auch nach der Bekleidung des Kessels sichtbar bleibt.
  Bei feuerlosen Lokomotiven können die Aufsichtsbehörden Aunahmen von den Bestimmungen unter (1) a bis e zulassen. Es muß jedoch mindestens ein Sicherheitsventil vorhanden sein, das den Bestimmungen unter (1) e entspricht und imstande ist, die volle Dampfmenge abzuführen, die der
  Lokomotive bei normalem Betrieb im ungünstigsten Falle aus dem Zuleitungsnetz zuströmen kann.

(2) Gas- und Flüssigkeitsgetriebe der Lokomitven und Triebwagen müssen Sicherheitsventile besitzen und mit einem Schild versehen sein, aus dem Höchstdruck, Lieferer und Lieferjahr zu ersehen sind.

(3) Lokomotiven und Triebwagen müssen folgende Anschriften tragen:
   a) den Namen der Eigentumsverwaltung,
   b) die Betriebsnummer oder den Namen,
   c) den Namen des Herstellers, die Fabriknummer und das Jahr der Herstellung,
   d) die größte zulässige Geschwindigkeit,
   e) Angaben über die letzte Untersuchung je am Fahrgestell und Kessel [vgl. § 33 (1),
      (2), (5) und (6)],
   f) die Art der Bremse.

(4) Tender müssen folgende Anschriften tragen:
   a) die Betriebsnummer oder den Namen,
   b) den Namen des Herstellers, die Fabriknummer und das Jahr der Herstellung.
An Tenderlokomotiven und Tendern müssen außerdem der Inhalt der Wasserkästen in Kubikmeter und die Fassung des Kohlenraumes in Tonnen angeschrieben sein.

(5) Lokomotiven und Triebwagen müssen mit einer Dampfpfeife oder einer anderen zur Erteilung hörbarer Signale geeigneten Vorrichtung von ähnlicher Wirksamkeit versehen sein.

(6) Lokomotiven mit Tendern müssen vorn an der Lokomotive und hinten am Tender Bahnräumer haben. Alle übrigen Lokomotiven sowie Triebwagen müssen vorn und hinten mit Bahnräumern versehen sein.

(7) Lokomotiven und Triebwagen, auf denen feste Brennstoffe verfeuert werden, müssen mit verschließbaren Aschenkästen und mit Funkenfängern ausgerüstet sein.

(8) Der Wassereinlauf an Tendern und Tenderlokomotiven darf nicht höher als 2750 mm über Schienenoberkante liegen.

(9) Lokomotiven und Triebwagen, die auf Strecken verkehren, auf welchen gemäß § 58 (2) der BO vor Wegübergängen zu läuten ist, müssen mit einer Läutevorrichtung ausgerüstet sein.


§ 29 (§ 37) Tragfedern der Fahrzeuge

Die Fahrzeuge müssen abgefedert sein.


§ 30 (§ 39) Verschluß-, Beleuchtungs- und Heizungseinrichtungen der Personenwagen

(1) Einsteigetüren der Personenwagen müssen sicher wirkende Verschlußvorrichtungen erhalten.
Nach außen aufschlagende Einsteigetüren an den Langseiten der Personenwagen müssen doppelt wirkende Verschlüsse haben, wobei der eine Verschluß als Vorreiber oder Einreiber wirkt. Bei neuen Wagen müssen die Verschlußvorrichtungen durch Zuschlagen der Tür selbsttätig einen doppelten Verschluß herstellen.

(2) Türöffnungen müssen im Innern der Personenwagen mit Schutzvorrichtungen gegen das Einklemmen der Finger versehen sein.

(3) An den zum Öffnen eingerichteten Fenstern an den Seitenwänden der Personenwagen muß eine Warnung vor dem Hinauslehnen angeschrieben sein.

(4) Personenwagen müssen mit Einrichtung zur Beleuchtung, die im Winter zu benutzenden auch mit Einrichtung zur Heizung versehen sein.


§ 31 (§ 41) Signalstützen

(1) Mindestens an einer Stirnseite aller dafür geeigneten Wagen müssen Stützen zur Aufnahme der Schlußsignale (Scheiben und Laternen) angebracht sein.

(2) Zum Aufstecken der Oberwagensignale müssen Aufsteigetritte und Griffe am Wagen vorhanden sein, wenn die Signale nicht ohne Hilfsgerät vom Erdboden aus aufgesteckt werden können.


§ 32 (§ 42) Anschriften an den Wagen

(1) An beiden Langseiten der Wagen müssen folgende Anschriften angebracht sein:
 
    a) eine Kennzeichnung der Eigentumsverwaltung,
b) die Ordnungsnummer,
c) das Eigengewicht einschließlich der Achsen und der dauernd im Wagen mitgeführten Ausrüstungsgegenstände,
d) bei Güter- und Packwagen das Ladegewicht und die Tragfähigkeit.
Bemerkung: Die Tragfähigkeit gibt die höchste zulässige Belastung an, die keinesfalls überschritten werden darf, auch nicht infolge von Witterungseinflüssen während der Beförderung. Im allgemeinen ist das Ladegewicht etwas geringer und für die Beladung der Wagen maßgebend.
e) der Achstand und bei Drehgestellwagen der Abstand der Drehzapfen und der Achsstand der Drehgestelle,
f) die Art und Wirkungsweise der durchgehenden Bremse,
g) der Inhalt der Gasbehälter oder die Art der elektrischen Beleuchtung,
h) der Zeitpunkt der letzten Untersuchung (vgl. § 34),
i) bei Wagen, die für Zeitschmierung eingerichtet sind, die Schmierfrist und der Zeitpunkt der letzten Schmierung,
k) bei Personenwagen die Anzahl der für Truppenbeförderung benutzbaren Sitzplätze, bei gedeckten Güterwagen die Anzahl der unterzubringenden Pferde,
l) bei den zur Viehbeförderung geeigneten Wagen die Bodenfläche,
m) bei Güterwagen, die auf vollspurige Wagen verladbar sind, in der linken oberen Ecke das Wort "Verladbar" [vgl. § 21 (2)].

(2) Personenwagen müssen mit Merkmalen versehen sein, die den Reisenden das Auffinden der
Wagenklasse erleichtern.



§ 33 (§ 43) Abnahme und Untersuchung der Lokomotiven, Tender und Triebwagen

(1) Neue Lokomotiven, Tender und Triebwagen sowie Lokomotiven und Triebwagen, die andere
Dampfkessel erhalten haben, dürfen nur in Betrieb genommen werden, wenn sie amtlich
geprüft und sicher befunden worden sind.

(2) Lokomotiven, Tender und Triebwagen müssen mindestens
     alle 5 Jahre einer Hauptuntersuchung,
     alle 3 Jahre einer Zwischenuntersuchung
unterzogen werden.

(3) Die Hauptuntersuchungen müssen sich auf alle Teile erstrecken. Bei der Untersuchung der Fahrgestelle und Treibwerke müssen die Lager und Federn abgenommen und die Achsen herausgenommen werden. Der Rahmen ist durch Abnehmen des Kessels zur Untersuchung freizulegen. Die Dampfkessel sind nach der Entfernung der Heiz- und Rauchrohre auch im Innern zu untersuchen.

(4) Die Zwischenuntersuchungen umfassen die Untersuchung der Fahrgestelle und Treibwerke mit allen Nebenteilen sowie der Dampfkessel nach (3), wobei jedoch im allgemeinen ein Freilegen des Rahmens sowie der Ausbau der Heiz- und Rauchrohre und die Abnahme der Kesselbekleidung entfallen können.

(5) Wird bei der Zwischenuntersuchung nach (4) eine Wasserdruckprobe vorgenommen, so kann die Regelfrist für die nächste Hauptuntersuchung nach (3) von 5 Jahren auf 6 Jahre verlängert werden.

(6) Bei neuen Lokomotiv- und Triebwagen-Dampfkesseln kann an Stelle einer Hauptuntersuchung nach (3) eine Zwischenuntersuchung in Verbindung mit einer Wasserdruckprobe nach (5) treten. Die nächste Hauptuntersuchung muß alsdann spätestens 3 Jahre nach dieser Zwischenuntersuchung vorgenommen werden.

(7) Die Fristen für die Untersuchung der Lokomotiven, Tender und Triebwagen sind vom Tage der Inbetriebnahme nach beendeter Untersuchung bis zum Tage der Außerdienststellung zum Zwecke der nächsten Untersuchung zu rechnen. Sie dürfen um die Zeiten etwaiger Abstellungen einschließlich der Zeiten für Ausbesserungen verlängert werden, wenn Abstellung und Ausbesserung jeweils zusammenhängend länger als 2 Monate gedauert haben.
Die Verlängerung der Fristen zwischen 2 Hauptuntersuchungen darf jedoch insgesamt höchstens 1 Jahr betragen.

(8) Die Dampfkessel müssen durch Wasserdruck geprüft werden:
   a) bei der Abnahmeprüfung nach (1),
   b) bei den wiederkehrenden Hauptuntersuchungen nach (3),
   c) bei einer Zwischenuntersuchung nach (5) oder (6),
   d) nach jeder umfangreichen Ausbesserung,
   e) vor einer Wiederinbetriebnahme, wenn der Kessel länger als 2 Jahre außer Betrieb
      gesetzt war.

(9) Bei den Wasserdruckproben nach (8) müssen die Dampfkessel von der Bekleidung entblößt sein. Bei einem zulässigen Dampfdruck p muß bei Kesseln, die für einen Betriebsdruck von höchstens 22 kg/cm² bestimmt sind, ein Probedruck von (p + 5) kg/cm² angewendet werden. Bei Kesseln mit einem höheren Betriebsdruck muß der Probedruck mindestens (1,3 p + 3) kg/cm² betragen. Alle Drücke sind als Überdrücke zu messen, der von Zeit zu Zeit auf seine Richtigkeit zu untersuchen ist.

(10) Kessel, die bei den Wasserdruckproben von (8) und (9) ihre Form bleibend ändern, dürfen in diesem Zustand nicht in Dienst genommen werden.

(11) Bevo die nach (8) und (9) geprüften Kessel in Betrieb genommen werden, müssen auch die Kesseldruckmesser und Ventilbelastungen geprüft werden.

(12) Der bei der Untersuchung festgesetzte höchste Dampfüberdruck muß auf dem Fabrikschild [vgl. § 28 (19) h] leicht sichtbar verzeichnet werden.

(13) Über die Untersuchungen nach (1), (2), (5), (6) und (8) muß Buch geführt werden.



§ 34 (§ 44) Abnahme und Untersuchung der Wagen

(1) Neue Wagen dürfen erst in Betrieb genommen werden, nachdem sie untersucht und sicher befunden worden sind.

(2) Die Wagen müssen von Zeit zu Zeit gründlich untersucht werden. Die Untersuchung muß sich auf alle Teile erstrecken. Dabei müssen die Achslager und die Federn ab- und die Achsen herausgenommen werden.

(3) Die Untersuchung muß spätestens drei Jahre nach der Inbetriebnahme oder nach der letzten Untersuchung erfolgen.
Abgestellte Wagen sind nicht untersuchungspflichtig; sie müssen aber bei Wiederinbetriebnahme untersucht werden, wenn seit der letzten Untersuchung mehr als drei Jahre verflossen sind.


Anlagen
A  Umgrenzung des lichten Raumes im geraden Gleis für Neubauten und umfassendere Umbauten (ohne Übergang von Regelspurwagen auf Rollböcken oder Rollschemeln)
B  Begrenzungslinie für neue Fahrzeuge bei Mittelstellung im geraden Gleis
C  Wagenradsatz für 1,0 m Spurweite
D  Wagenradsatz für 0,75 m Spurweite
E  Achslager für Schmalspurwagen
F  Endfelder für das Anbringen der Zug- und Stoßvorrichtungen bei 1000 mm  und 750 mm Spurweite
G  Frei zu haltende Räume an den Enden der Fahrzeuge
H  Bremsklotz für Schmalspurwagen


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