Oberbauvorschriften
DV 820
Anlage 6

Vermarken der Gleise durch Gleisfestpunkte


(1) Bei neuen Bahnlinien sind vor dem Verlegen des Oberbaues die Gleisrichtung und die Höhen der Schienenoberkanten zunächst durch Holzpfähle festzulegen. Die endgültigen Gleisfestpunkte werden später gesetzt, nachdem die Bahn in Betrieb genommen ist und keine wesentlichen Setzungen des Bahnhkörpers mehr zu erwarten sind. Die Bogen sind dann am zweckmäßigsten auf Grund von Pfeilhöhenmessungen nach dem Winkelbildverfahren (Nalenz-Höfer-Verfahren) neu abzustecken und die Höhen auf Grund einer neuen Höhenmessung festzulegen.

(2) Beu bestehenden Bahnlinien sind vor Auswechlungs- unnd Erneuerungsarbeiten und vor der gründlichen Durcharbeitung für die durchgehenden Hauptgleise Gleisfestpunkte zu setzen. Soweit Festpunkte bereits vorhanden sind, ist zu prüfen, ob sie den Anforderungen an die Linienführung und Genauigkeit genügen.

(3) Damit sich die Gleise nach Richtung und Höhe einwandfrei verlegen und ausrichten lassen, dürfen die Festpunkte nicht zu weit voneinander entfernt sein. In der Regel sind daher folgende Abstände anzuwenden:
a) in Geraden etwa 50 m
b) in Kreisbogen bis 5000 m Halbmesser etwa 30 m
unter 5000 m bis 2500 m Hm etwa 25 m
unter 2500 m bis 500 m Hm etwa 20 m
unter 500 m Hm etwa 15 m
c) in den Übergangsbogen und Überhöhungsrampen 10 - 20 m
d) in den Ausrundungsbogen der Neigungswechsel 15- 20 m

(4) Die Anfänge und Enden der Übergangsbogen, Überhöhungsrampen und Ausrundungsbogen der Neigungswechsel und die Neigungswechsel selbst sind durch Festpunkte festzulegen.
Im übrigen sind zweckmäßig die Überhöhungsrampen, die Kreisbogen, bei Korbbogen jeder Teilbogen und die Ausrundungsbogen durch die Festpunkte in gleiche Teile zu teilen.
Wenn bei einem Neigungswechsel die Ausrundungstangenten kürzer als 10 m sind, genügt ein Festpunkt am Neigungswechsel, der die Höhe des Schnittpunktes der beiden Neigungen angibt. Für überhöhte Bogenweichen sind Höhenpläne für jeden Schienenstrang herzustellen. Höhe und Richtung sind ausreichend zu vermarken.

(5) Als Festpunkt dient der Schienenfuß nicht mehr gleisfähiger Altschienen (Kopf und ein Teil des Steges autogen abgetrennt). Der Schienenfuß ist 0,50 m lang und wird rechtwinklig zum Gleis in Beton versetzt. Der Stegansatz zeigt in Richtung der Kilometrierung. Wenn jedes Gleis einer zweigleisigen Strecke besonders vermarkt wird, zeigt der Stegansatz in Fahrtrichtung.

(6) Die Gleisrichtung ist auf dem Schienenfuß durch eine Richtungskerbe anzugeben. Sie gibt bei zweigleisigen Strecken die Bahnachse an; bei eingleisigen Vollspurbahnen soll sie 1,75 m, bei eingleisigen Schmalspurbahnen 1,50 m von der neuen Gleisachse entfernt sein.

(7) Die Höhe der Schienenoberkante ist durch eine Höhenklemme anzugeben, die an den Schienenfuß angeschraubt wird, und deren Oberkante die planmäßige Höhe angibt. Die Höhenklemmen sind durch einen waagerechten Sägeschnitt am Schienenfuß zu sichern, damit man jederzeit erkennen kann, ob sie sich noch auf der richtigen Höhe befinden. Die Höhenklemmen müssen so geformt sein, daß man auf ihnen eine Höhenlatte aufsetzen kann. Auf Strecken, wo mit dem Einsatz von Schneeräumern gerechnet werden muß, deren Flügel oder Pflugscharen die Festpunkte streifen könnten, dürfen die Festpunkte nicht über Schienenoberkante hinausragen.

(8) Bei eingleisigen Bahnen sind die Festpunkte in überhöhten Bogen in der Regel auf die Bogeninnenseiten zu setzen.

(9) Anfänge und Enden der Übergangsbogen und Überhöhungsrampen sind durch grünen, die der Neigungswechsel (Ausrundungsbogen) und die Neugungswechsel selbst durch roten Anstrich kenntlich zu machen. Alle übrigen Festpunkte sind nicht zu streichen. Fällt ein Ausrundungsfestpunkt mit einem grün zu streichenden Festpunkt zusammen, so wird die Höhenklemme rot, der Schienenfuß grün gestrichen.

(10) Wo auf steinernen Brücken Schienenpfosten nicht gesetzt werden können, sind eiserne Bolzen zur Kennzeichnung der Gleisrichtung und -höhe am Mauerwerk anzubringen. Auf eisernen Brücken werden an geeigneten Stellen Marken durch Ölfarbanstrich angebracht.

(11) Die Dienststellen sollen von der Vermarkung eine Absteckungsübersicht mit nachstehenden Angaben erhalten:

a) Krümmungsband mit Angabe der Bogenhalbmesser, der Übergangsbogenlängen und Lage der Übergangsbogenanfänge und -enden,
b) Rampenbild mit Angaben der Rampenlängen, der Rampenanfänge und -enden, der Überhöhungen in den Bogen und an allen Festpunkten der Rampen,
c) Abstände der Festpunkte,
d) Lage und Höhen der Neigungswechsel über NN, Neigungen und Längen zwischen den benachbarten Neigungswechseln, ferner Ausrundungslängen und -halbmesser,
e)Lage von Bauwerken, die für die Gleisführung von bedeutung sind (Anfänge und Enden von Brücken, unneln, Bahnsteigen, Weichen usw).
Die Übersichten sollen nur solche Angaben enthalten, die unmittelbar für die Gleislage von Bedeutung sind.

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